Ratgeber Rennrad für Einsteiger: Mit welchem Fahrrad anfangen?

Das Bythlon-Team fährt seit vielen Jahren Rennrad. In dieser Artikelserie möchten wir Anfängern Tipps geben, die wir gerne erhalten hätten als wir mit dem Sport angefangen sind.

Die Auswahl eines Fahrrads ist eine wichtige Entscheidung, die du wahrscheinlich gleich zu Beginn treffen musst. Es gibt auch bei Rennrädern viele spezielle Fahrradtypen: Rennräder, Triathlonräder, Gravelbikes, Endurancebikes, Aerobikes, Triathlonbikes, Trackbikes usw. Dann kommen verschiedene Schaltsysteme in Frage. Sollen es Scheiben- oder Felgenbremsen sein? Welche Reifenbreite? Ist ein Aluminiumrahmen besser für dich oder ein Carbon Rahmen? Wie sieht es mit der Rahmengeometrie aus? Brauche ich einen bestimmten Laufradsatz?

Sofort tauchen viele Stolpersteine auf und man könnte Bücher mit den Details füllen, die es zu beachten gibt. Um es dir einfacher zu machen, empfehlen wir dir mit einem „normalen“ Rennrad anzufangen.

Ein Carbon Rahmen mit einer "entspannter" oder "endurance" Rahmengeometrie ist eine gute Wahl. Wähle eine solides Mittelklasse-Schaltgruppe wie Shimano 105, SRAM Rival, oder Campagnolo Centaur und Reifenbreiten von 25 mm bis 28 mm. Ein Standard-Alu-Laufradsatz und Felgenbremsen ergänzen das ideale Einsteiger-Rad.

GIANT DEFY ADVANCED 2

Endurance Bike Giant DEFY ADVANCED 2

Warum? Ein solches klassisches Fahrrad ist der beste Ausgangspunkt, um mit Rennrad-Sport anzufangen. Es ist vielseitig, kostengünstig, wartungsfreundlich und bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Du kannst später Komponenten aufrüsten oder dir nach ein paar Jahren ein hochwertiges Fahrrad zulegen, wenn du eine viel bessere Vorstellung davon hast, welches Fahrrad für dich am besten geeignet ist bzw. ob es sich lohnt viel mehr Geld auszugeben.

Lass uns die Gründe für diese Entscheidungsfindung kurz durchgehen:

Ein solches Standard-Rennrad vielseitig. Es kann für alles verwendet werden, vom hochintensiven Intervalltraining über lange Fahrten bis hin zum Klettern in den Bergen und es wird dir auch für erste Radrennen oder Triathlons gute Dienste leisten.

Wenn man die Berichterstattung in der Presse liest, bekommt man den Eindruck, dass "Gravel"-Räder der letzte Schrei sind oder dass man ein teures "Aero"-Bike braucht. Schotter Straßen stellen jedoch höchstwahrscheinlich nur einen kleinen Anteil der Straßen in deiner Umgebung, und diese sind anspruchsvoller zu fahren als befestigte Straßen.

Ein Aero-Bike wird mit hochintegrierten und nicht standardmäßigen aerodynamisch optimierten Komponenten wie Lenker, Vorbau, Sattelstütze usw. geliefert. Das macht es viel teurer, schwieriger zu warten, schwerer zu zerlegen und du bist auf den Hersteller angewiesen, wenn du Ersatzteile brauchst. Die aerodynamischen Vorteile sind übrigens eher relativ da 80% oder mehr des Luftwiederstandes von deinem Körper erzeigt wird.

Mit einem Standardfahrrad kannst du jede Komponente mit einer großen Auswahl an jederzeit im Handel verfügbaren Ersatzteilen wechseln. Nicht nur Sattelstütze, Vorbau, Lenker, sondern auch Schalt-Bremshebel, Umwerfer, Schaltwerk, Schaltauge etc. können einfach und preiswert ausgetauscht werden. Du wirst das spätestens dann verstehen, wie wichtig es ist, wenn dein Fahrrad in der Garage steht und du sechs Wochen oder sechs Monate auf das Eintreffen eines Ersatzteils warten musst.

Scheibenbremsen bremsen besser, sind aber im Vergleich zu Felgenbremsen schwieriger einzustellen und zu warten. Bei gleichem Preis würden wir die Scheibenbremsen bevorzugen aber beide Systeme sind für Anfänger geeignet.

Eine "entspannte" oder "Ausdauer"-Geometrie bezieht sich auf ein Fahrrad, das eine bequemere Sitzposition im Vergleich zu "aggressiven" Rennrahmen ermöglicht. Eine aggressive Position ist eine niedrige Position des Oberkörpers, die aerodynamisch günstig ist. Der Oberkörper wird hier sehr tief gebeugt über dem Lenker platziert. Längere Zeit so „tief“ zu fahren ist für Anfänger in der Regel nicht möglich. Die Fahrt wird dann schnell zur Qual.

Aggressive Sitzposition

Endurance-Räder haben in der Regel einen klettertauglichen Übersetzungsbereich (zum Beispiel Kassettengrößen hinten von 11 bis 34 Zähnen und Kettenblätter vorne mit 52 und 36 Zähnen). Es mag verwirrend klingen, aber eine hintere Kassette mit maximal 34 Zähnen ermöglicht einen niedrigeren Gang als die maximalen 28 Zähne, die Profis in Rennen einsetzen.

Auch wenn du mal sehr schnell unterwegs bist, wird dir wahrscheinlich nie der Gang beim Hochschalten ausgehen, aber wir garantieren, dass du mehr als einmal vom Fahrrad absteigen wirst, wenn der Berg zu steil wird und du nicht mehr runterschalten kannst.

Eine Mittelklasse Schaltgruppe von Herstellern wie Shimano, SRAM, oder Campagnolo hat sehr ähnliche Eigenschaften wie die High-End-Gruppen dieser Marken. Sie sind zwar etwas schwerer, aber du sparst leicht tausend Euro in der Anschaffung.

Die Idee, dass Reifen mit minimaler Breite mit dem höchsten Druck, wie 20 mm mit 160 PSI, die Schnellsten sind, ist genauso veraltet, wie die Idee, dass man ein Pedal hochziehen kann. Die heutige Forschung zeigt, dass ein 28-mm-Reifen mit 80 PSI die gleiche Rolleffizienz hat und ein viel komfortableres Fahrverhalten bietet. 25 bis 28 mm breite Reifen sind eine gute Wahl.

Komfort ist auch bei Carbon Rahmen der entscheidende Faktor. Das geringere Gewicht im Vergleich zu Aluminiumrahmen ist vorteilhaft, aber der Komfort ist ausschlaggebend. Carbon Rahmen sind dort steif, wo es für die Kraftübertragung wichtig ist, und elastisch, wo sie als Federungssystem dienen können. Wenn ein Carbon Rahmen außerhalb deiner Preisklasse liegt, entscheiden dich für einen Aluminiumrahmen und eine Carbon Gabel. Die Gabel federt dann zumindest die gröbsten Stöße ab.

Wo und wann ein Fahrrad kaufen?

Wir empfehlen dir, dein erstes Fahrrad in einem Fahrradladen vor Ort zu kaufen. Kaufe nicht im ersten Geschäft und beim ersten Besuch. Besuche ein paar Geschäfte und erkläre welche Art von Fahrrad du kaufen möchtest, und hören zu was man dir anbietet.

Wie wichtig ist die Marke? Du wirst sehen, dass jede bekannte Fahrradmarke solche Endurance-Rennräder in ihrem Portfolio hat. Dazu gehören Giant, Merida, Specialized, Trek, Cannondale, Scott, Bianchi, Cervelo, Colnago, Orbea, BMC, CUBE und viele andere. Wir glauben, dass der Fahrradladen wichtiger ist als die Marke der Fahrräder, die er führt.

Es gibt zwei Dinge, nach denen du Ausschau halten solltest: Versuchen man sofort, dir ein viel teureres Fahrrad zu verkaufen, oder geht man auf deine allgemeinen Spezifikationen ein und bietet eine oder mehr kostengünstige Lösungen? Fühlst du dich als Anfänger willkommen?

Ein guter Fahrradladen ist viel mehr als eine Verkaufsstelle. Man sollte sich die Zeit nehmen, einem Anfänger Fahrräder und Zubehör zu erklären. Ein guter Fahrradladen wird auch regelmäßige Gruppenfahrten organisieren oder sogar als eine Art Club-Haus fungieren.

Wenn du flexibel bist, ist die beste Zeit für den Fahrradkauf der Herbst oder Winter, wenn die Marken auf neue Modelle umsteigen und die "alten" Modelle vergünstigt angeboten werden. Aber das sollte dich nicht zögern lassen und ein halbes Jahr verschwenden lassen, das du schon damit verbringen könntest, die Vorteile des Radfahrens zu erleben.

In unserem nächsten Artikel geht es um die Auswahl der richtigen Fahrradschuhe und Pedalsysteme. Auch hier gibt es verschiedenen Systeme wie Shimano SPD, SPD-SL, Look, Delta, Keo, Powerplay, und natürlich auch das Bythlon Pedal System.

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